Überblick
Achondroplasie ist eine seltene genetische Erkrankung, die durch eine konstitutiv aktive Variante des Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptors 3 (FGFR3) verursacht wird. Die Achondroplasie ist durch eine charakteristische Skelettdysplasie gekennzeichnet und kann zu schwerwiegenden muskulären, neurologischen und kardiorespiratorischen Komplikationen führen.1–9
Achondroplasie wird autosomal-dominant vererbt und zeigt bei Vorliegen der Mutation eine vollständige phänotypische Ausprägung. Etwa 80 % der betroffenen Personen haben jedoch Eltern ohne Achondroplasie.1,3
Achondroplasie betrifft weltweit mehr als
250.000
Menschen.4,5
In Europa wird die pädiatrische (< 18 Jahre) Prävalenz der Achondroplasie auf
3,72 pro
100.000
geschätzt.10,11
Mehr als nur Knochen: Die Auswirkungen der Achondroplasie
Über ihre traditionelle Charakterisierung als Skeletterkrankung hinaus kann die Achondroplasie ein breiteres Spektrum an systemischen Auswirkungen verursachen.
Die FGFR3-Variante wird in zahlreichen Geweben des Körpers exprimiert, was zu einer Vielzahl von Komplikationen führt, die die körperliche und mentale gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) einer Person erheblich beeinträchtigen können.1,2,4,6,9
Während viele klinische Merkmale der Achondroplasie direkte oder indirekte Folgen der konstitutiven Aktivierung der FGFR3-Signalübertragung auf das enchondrale Knochenwachstum sind, wie beispielsweise der charakteristische disproportionale Kleinwuchs, kann die Expression der FGFR3-Variante in zahlreichen Geweben des Körpers zu weiteren Symptomen beitragen.1,2,4,6
Ursache
Achondroplasie wird durch eine Gain-of-Function-Variante des FGFR3-Gens verursacht. Dies führt in den Chondrozyten zu einer konstitutiven Aktivierung von FGFR3 und einer anhaltenden Signalübertragung durch die MAPK.1,12
Abb. modifiziert nach Laederich, M.B. und Horton, W.A., 2010.13
Unter normalen physiologischen Bedingungen führt die ligandenvermittelte Aktivierung von FGFR3 zu einer nachgeschalteten Signalübertragung über mehrere Signalwege, darunter der mitogen-aktivierte Proteinkinase(MAPK)-Signalweg und der Signal-Transduktor-Aktivator-der-Transkription-1(STAT1)-Signalweg:3,4,14
- Im Knochen verhindert die Aktivierung des MAPK-Signalwegs die Chondrozytendifferenzierung, während die Aktivierung des STAT1-Signalwegs die Proliferation von Chondrozyten hemmt.3,4,14
CNP wirkt durch Bindung an NPR-B in zahlreichen Geweben des Körpers. Dabei beeinflusst CNP verschiedene physiologische Funktionen, darunter die kardiovaskuläre Regulation, die metabolische Homöostase und das Knochenwachstum:16,17
- In der Wachstumsfuge ist CNP ein Regulator des enchondralen Knochenwachstums. Es fördert die Chondrozytendifferenzierung, indem es den MAPK-Signalweg hemmt.4,15,18,19
Abb. modifiziert nach Laederich, M.B. und Horton, W.A., 2010.13
Bei Achondroplasie führt die konstitutive Aktivierung von FGFR3 in Chondrozyten zu einer anhaltenden MAPK-Signalübertragung. Dies hemmt die Chondrozytendifferenzierung und resultiert in einem verminderten endochondralen Knochenwachstum sowie in einer Skelettdysplasie.13,14,15
In-vitro-Studien haben gezeigt, dass die genetischen Varianten, die für den Großteil der FGFR3-assoziierten Skelettdysplasien verantwortlich sind, STAT1 nicht aktivieren. Dies legt nahe, dass die STAT1-Signalübertragung keine zentrale Rolle in der pathogenen FGFR3-Signalgebung bei Achondroplasie spielt.12